Donnerstag, Juni 07, 2012

Sexüberflutung im Internet

Gestern Abend war ich telefonischer Gast in der Sendung  Rundshow.
Durch folgenden Blogeintrag ist eine Redakteurin auf mich aufmerksam geworden.
Das Thema der Sendung "Die Liebe ist tot":
 Die Liebe ist ein seltsames Spiel, im Zeitalter des Netzes womöglich noch mehr. Das ganze Netz ist voll mit ihr und man müsste sich eigentlich nur ein kleines bisschen umsehen, um alles zu finden, was man schon immer wollte. Ein Paradies oder doch die emotionale Vorhölle?
Meiner Meinung nach gibt es einfach eine Sexüberflutung im Netz. Nichts (größtenteils) wird kontrolliert, fast alles ist für jeden rund um die Uhr zugänglich. Liebe kann vielleicht auf  Online-Dating Seiten gefunden werden, schnell wird aber auch klar, dass man mehr als sonst ersetzbar ist.
Billige Filmchen, wie auch Hardcore Filme werden mit einem Klick zum Vorschein gebracht, wo man noch vor Jahren das Haus verlassen musste, um sich einen Film in der Videothek aus zu leihen. Die Schamgrenze ist gesunken, außergewöhnliche Sexpraktiken sowie Fetische werden als "normal" eingestuft.

Im Netz findet man Gleichgesinnte, direkt in hundertfacher Ausführung, die demselben Fetisch frönen und der Verdacht liegt nahe, dass wenn so viele Menschen dieselben Vorlieben haben, es doch wohl weder krank noch besorgniserregend sein kann. Und im Extremfall funktioniert das Sozialleben nicht mehr.
Man kann sich hinter dem Bildschirm verstecken, sich mit einer erfundenen Identität schmücken. Reihenweise selbsternannte Profies versorgen einen mit Tests und Tips, wie man sein Sexleben wieder auffrischen kann (auch wenn alles in bester Ordnung erscheint) und geben Ratschläge wie man am besten rausfindet ob der Partner fremdgeht. Wer kennt das nicht, zu hause im Bett, zuerst das Vorspiel, dann Oralsex, das Ficken und zum Schluss der Samenerguss im Frauenmund?
 Wer hat's erfunden?
Genau, die Sexfilmindustrie. In der Reihenfolge und in sonst keiner soll der Geschlechtsverkehr bei jedem praktiziert werden. Und wenn die Frau nun den Oralsex nicht ausführen will, sich ekelt und eben anfängt mit würgen? In den Filmen ist das aber so, also wird's auch gemacht, fertig.

Filme mit verhängnisvollen Titeln wie "Inzest" haben nach wie vor eine große Fangemeinde. Der Vater mit der Tochter, die Mutter mit dem Sohn. Durch solche Filme wird dem vielleicht leichtsinnigen Zuschauer mitgeteilt, dass es doch "normal" sei, die Hand an die eigene Tochter anzulegen. Du und ich, wir wissen vielleicht, dass man genau hier und jetzt die Grenze ziehen sollte, und auch wenn es fast keine Videotheken mehr gibt, im Internet sind sie alle zu finden, diese kleinen schmutzigen Filme.

Die Scham, vor der Verkäuferin im Laden mit einem Heftchen oder einem Film in der Hand, von oben bis unten gemustert zu werden, ist verloren gegangen. Zuhause, gemütlich im Sessel, Laptop auf dem Schoss, kann man hunderten von Frauen oder Männern beim Gang Bang zuschauen, Realitätverloren und nächtelang im Internet irrend. Der Mensch ist als Ware im Internet verkommen und einen Film über ein Paar das "Nein" zu außergewöhnlichen Sexpraktiken sagt, wird wohl nirgends zu downloaden sein. Man ist über diese Sexüberflutung aus dem Internet nicht mehr der Architekt seines eigenen Lebens. Man lässt sein Leben von anderen aufbauen um kurz darauf per Mail aufgefordert zu werden, an einer Umfrage teil zu nehmen, in der man erfahren kann, was bisher alles schiefgelaufen ist.

In jedem von uns steckt ein kleiner verborgener Voyeur. Aber durch das Internet wird dieser Name wohl in Vergessenheit geraten. Wenn man alles so offen und freizügig auf dem Bildschirm sehen kann, ist es dann nicht einfach "nicht verboten"? Zugänglich für aberMillionen von Menschen, kleine heimlich gedrehte Sexclips.
Wie letztens in der Bahn, 5 circa 16jährige Jungs, beim Prahlen in welchen Sexpositionen sie schon welche Anzahl von Mädels erfreut haben : " Ey, die hat geschluckt, bis auf den letzten Tropfen. Wollter  mal sehen?"
Smartphone in die Mitte haltend, den Bildschirm Richtung johlende Freunde gedreht. Tage darauf, wird sich wahrscheinlich genau dieses junge Mädchen in die Welt der Internclips einreihen, minderjährig und zur Freude von gehemmten Internetusern, die das Haus nicht mehr verlassen um sich vor Schulen rumzudrücken, hoffend nicht dabei erwischt zu werden, bei dem Versuch einer 15 Jährigen auf die Beine zu starren.

Wie sagte mal ein Kunde zu mir am Telefon:

Durch meine nächtlichen Streifzüge durch's Internet, finde ich hunderte von Frauen, blinkend in kleinen Anzeigen, die genau in meinem 400 Einwohner Dorf leben. Für wie blöd und bescheuert hält dieses Internet uns eigentlich?




Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Man sollte doch meinen, dass gerade du da mehr Einblicke hast. Das was du da schreibst klingt wie beste CDU Propaganda. Verrohung der Jugend (bzw. aller) durch das Internet, Perverse Dinge wie Blowjobs werden normal, etc. ...

Mal ehrlich, wer Spass am Sex hat, soll ihn haben. Wer sich das gerne anguckt soll das auch. Tut ja keinem weh.

Phonebitch hat gesagt…

Was für ein schönes Schlusswort : Tut ja keinem weh.

Darin lese ich nur, wie abgehärtet du schon bist. Tut ja jeder, sieht man ja überall. Man kann ja wegsehen, wenn es einem nicht gefällt. Soll man wirklich?

Ich habe nie behauptet dass es richtig ist, was ich tue. Aber ich kenne meine Grenzen. Es mag sein, dass es die Grenzen sind, die vorgegeben sind. Aber immerhin sind es Grenzen. Und leider gibt es solche im Internet nicht. Und man mag vielleicht den oder die Verantwortlichen finden und bestrafen, die "Perverse und verbotene" Clips reinstellen. Aber nimmst du sie auch aus den Hirnen der Verrückten und den tausenden Augen, die sich Genugtuung und Erleichterung damit verschafft haben? Ich spreche nicht über die totale Kontrolle und nicht nur über den Zweig der Jugend, sondern über einen ganzen Baum der am verrotten ist.

Journey hat gesagt…

Der Satz deines Kunden gefällt mir, er trifft es wirklich sehr gut.

Und ich sehe es genauso, dass viel zu vieles viel zu zugänglich im Internet gemacht wird. Davon halte ich nichts. "Sex sells", das ist ja schon lange klar und dass er eine Ware sein kann, ist auch bekannt.

Mir stellen sich dabei jedoch einige Fragen...: Geht etwa denen, die NUR in dieser Pornofickenschwanzlutschenwelt leben, wirklich irgendwann der Blick für ganz andere Dinge (z.B.: "Liebe") abhanden? Produziert das internet mehr Pädophile und andere Verrückte oder waren die einfach schon davor so? Ich meine, jeder hat ja andere sexuelle vorlieben. Sind die schon in uns verborgen oder brauchen wir erst einen schlechten Porno, um sie zu entdecken?

Ich weiß nicht, was ich von all dem halten soll...ist jetzt eine Frau, die gerne Pornos mit Lesben sieht, automatisch selbst eine? O.o


Sehr guter Blogeintrag übrigens!

Thorsten hat gesagt…

In der Tat ein sehr guter Blogbeitrag, der sehr nachdenklich stimmt, wohin sich die Gesellschaft zurzeit entwickelt, insbesondere die Jugend, die zu früh mit Sex in allen Formen konfrontiert wird.

In diesem Zusammenhang auch folgende Leseempfehlung:

http://streetgirl.twoday.net/stories/4946415/

Sternenstaub hat gesagt…

Ehrlich gesagt sehe ich das Problem nicht. Mir ist es doch deutlich lieber, wenn ein "perverser" Mensch seine Triebe mit Filmen im Internet abreagiert als dass er wirklich Hand an einen Menschen legt der es nicht will.

Da der Mensch wohl noch nicht ganz so weit vom Tier entfernt ist wie er es wohl gerne hätte wird es immer wieder Menschen geben die ihre Triebe nicht im Griff haben. Die werden nicht erst durch das achso böse Internet geweckt, wie es Mutti von der Leyen mal behauptet hat um eine Überwachungsinfrastruktur zu etablieren. Das ist nicht wie eine Krankheit die übers Internet übertragen wird...

Die Verfügbarkeit von "Ersatzdrogen" im Internet kann aber dazu beitragen, dass z.B. ein Päderast nur Filme, mit Schauspielern die sehr jung aussehen oder entsprechende Comics, konsumiert und nicht selber aktiv wird. Auch Foren mit Gleichgesinnten können dabei helfen, dass solch ein gestörter Mensch seine Störung erkennt und fachkundige Hilfe sucht.

Dann noch eine kleine Anmerkung zu dem Beischlafdrehbuch aus Pornos, ich habe vor einigen Jahren mal eine Studie zu dem Thema gelesen. Das "überraschende" Ergebnis war, dass die meisten Männer zwar gerne auch mal ausprobieren würden was sie in den Filmen sehen aber doch soweit Fiktion von Realität unterscheiden können, dass sie ihre Frauen/Freundinnen nicht dazu drängen, geschweige denn dazu zwingen würden.


Grüße,

'staub

Anke hat gesagt…

Also ich habe lange überlegt, ob ich hier schreibe. Aber ich finde den Artikel sehr komisch. Es ist im Grunde eine dieser Verrohungspolemiken, die oftmals von konservativer Seite (oder linke, mit dem Begriff "Ware") kommen. Neue Technik führt zur Verrohung und Brutalisierung der Gesellschaft.

Ich würde mir viel eher mal über den Begriff der Normalität gedanken machen und die Frage stellen, wer zu erst da war: die Erwartungshaltung/Fantasy oder die Pornoindustrie. Das sollte doch gerade für dich, der mit Erwartungshaltungen spielt UND Geld verdient eine relativ simple Aufgabe sein. Erwartungen bzw. Fantasies sind per se erstmal nichts schlechtes, sie sind einfach da. Sie werden von uns erst danach moralisch bewertet.

Es ist einfach nicht richtig zu behaupten, die Pornoindustrie hätte erst den Sextrieb/Fetische erzeugt. Sie kanalisiert ihn und stellt Normen auf. Das stimmt, aber die Kirche hat das auch gemacht. Ob es besser war? Ich glaube nicht.

Solang nichts illegales getan wird und Menschen verletzt werden, sollte man verantwortlich mit dem Material umgehen und das heißt: jeder muss es einstufen und verstehen können. Ob es dann seinem Geschmack entspricht, muss er selbst beantworten. Aber nur weil viele Menschen einen Fetisch besitzen sind sie noch lange nicht krank. Hinter dieser Aussage steckt vielmehr ein Wertehaushalt/kritik, der noch viel weitreichender ist als jeder Normierung durch Pornos.

Menschen haben Sehnsüchte damit verdienst du Geld und das ist auch okay. Aber wieso dürfen das andere nicht auch machen und wieso schließt du daraus, dass gerade Pornos die Menschen verrohren? Das leuchtet mir alels nicht ein. Sorry